• Zufallsbefragung

  • Was ist eine Zufallsbefragung?

    Bei einer Zufallsbefragung werden - wie es der Name bereits vermuten lässt - die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Befragung zufällig ausgewählt. Dies kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen, zum Beispiel schriftlich, telefonisch oder auch persönlich.
     
    Ziel ist es, einen Querschnitt aus einer bestimmten Zielgruppe zu bilden, ohne sich auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen oder Demographien zu fokussieren. So soll sichergestellt werden, dass die Wünsche und Bedürfnisse aller Menschen gehört werden.
     
  • Bildbeschreibung
  • Entstehungsprozess der Befragung

  • Ablauf

    Zufallsbefragung von russischstämmigen Bürgern und Deutschen aus Russland

     
     
    Die Stadt Heilbronn initiierte eine Zufallsbefragung von russischstämmigen Bürgerinnen und Bürgern sowie Deutschen aus Russland, die in Heilbronn leben. Es war der erste Beteiligungsprozess dieser Art, der in Heilbronn durchgeführt wurde, im Mai 2019 fiel der Startschuss.
     
    Anlass dieser Befragung waren mehrere Gesprächsrunden, die die Stabsstelle Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn mit verschiedenen Ansprechpartnern aus der Community geführt hatte. Dabei wurden zahlreiche gesellschaftliche Themen angesprochen, die diese Zielgruppe beschäftigen. Erste Erkenntnisse waren zum Beispiel, dass dem Thema Bildung eine hohe Wertigkeit und Erwartung zugesprochen wurde und auch das "sichtbar" werden in der Gesellschaft ging als Wunsch hervor.
    Bildbeschreibung

    Um ein breiteres Meinungsbild zu erhalten, wurde im Rahmen einer Bachelorthesis ein Fragebogen erstellt. Dieser wurde per Post an 1.200 per Zufall ausgewählte Menschen aus dem genannten Personenkreis versandt. Um jeden umfassend über die Maßnahme sowie deren Ziele und Zwecke informieren zu können, wurde dem Fragebogen ein persönliches Anschreiben des Oberbürgermeisters beigefügt. Beides wurde zweisprachig, also deutsch und russisch, gedruckt.
     
    Die Zielgruppe setzte sich wie folgt zusammen:
    • Deutsche aus Russland und Russlandstämmige
    • Geburtsort in Russland oder der ehemaligen Sowjetunion im engeren Sinne (Kasachstan, Ukraine, Weißrussland, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan)
    • deutsche Staatsangehörigkeit
    • mindestens 18 Jahre alt
    Die Zufallsbefragung lief bis Ende Juni 2019. Die Teilnahme war freiwillig, die Ergebnisse wurden anonym ausgewertet.
     
     

    Inhalt des Fragebogens

     
     
    Mit der Befragung wurden die Meinungsbilder der Zielgruppe abgefragt, um so künftig Verbesserungen angehen zu können. Folgende Fragen wurden unter anderem gestellt:
     
    • Wie wohl sich die Zielgruppe in Heilbronn fühlt.
    • Bewertung verschiedener Themen, zum Beispiel Bildung, Zugehörigkeit zur Stadtgesellschaft oder Möglichkeiten der politischen Teilhabe.
    • Ob man schon einmal Benachteiligungen aufgrund der eigenen Herkunft erlebt hat.
    • Welche Beteiligungsmöglichkeiten bekannt sind.
    • Persönliche Fragen zum Alter, dem Geschlecht und seit wann man in Deutschland/Heilbronn wohnt
    • Außerdem ein Feld zur freien Meinungsäußerung.
     
     

    Was passiert mit den Ergebnissen?

     
     
    Die Fragebögen wurden ausgewertet und verschiedenen Gremien präsentiert. Je nach Rückmeldungen aus dem Befragungsprozess war und ist geplant, Bürgerdialoge mit der Zielgruppe zu führen. Zudem sollen verschiedene Veranstaltungen einerseits die Vielfalt, aber auch die unterschiedlichen historischen, kulturellen und aktuellen Rahmenbedingungen der Zielgruppe sichtbar machen. Es sollen Dialoge und Begegnungen angeregt werden, nicht zuletzt um ein bürgerschaftliches Miteinander zu erreichen.
     
     
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  • Ergebnisse der Befragung

  • Zufallsbefragung - das kam raus

    Teilnehmerdaten

     
     
    Die im Ablauf genannte Zielgruppe umfasste insgesamt 6.633 Personen - davon waren 3.553 Frauen und 3.080 Männer.
     
    Aus dieser Gesamtzahl wurden per Zufallswahl 1.200 Personen ausgewählt und eingeladen, an der Befragung teilzunehmen. Dabei wurde darauf geachtet, eine heterogene Gruppe zusammenzustellen. So wurden etwa gleich viele Männer und Frauen ausgewählt, außerdem erfolgte eine Einteilung in insgesamt vier Altersgruppen zu jeweils 300 Personen, um die Meinungsbilder verschiedener Generationen gezielt abfragen zu können: 18-30 Jahre, 31-45 Jahre, 46-60 Jahre und über 60 Jahre.
     
    Insgesamt nahmen 150 Personen an der Zufallsbefragung teil, dies entspricht einer Teilnehmerquote von 12,5 %. Frauen wie Männer nahmen gleichermaßen teil, am stärksten beteiligten sich die Altersgruppen 31-45 Jahre sowie über 60 Jahre.
     
     

    Wohlfühlfaktor

     
     
    Die meisten Frauen und Männer der Zielgruppe fühlen sich in Heilbronn "wohl" oder sogar "sehr wohl", nur wenige gar nicht. Insgesamt lebt die Zielgruppe also sehr gerne in Heilbronn.
     
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    Bewertung einzelner Themenfelder

     
     
    Der Wohlfühlfaktor wird durch verschiedene Themenfelder positiv beeinflusst. So werden die Bildungs- und Kulturangebote in Heilbronn überwiegend als "gut" empfunden. Genauso die Möglichkeiten sich politisch einbringen zu können, die Zugehörigkeit zur Stadtgesellschaft und die Interkulturelle Vielfalt der Stadtgesellschaft. Einzig das Thema Sicherheit wird nicht als gut empfunden.
     
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    Das Sicherheitsgefühl haben Frauen wie Männern sehr ähnlich bewertet. Nur wenige empfinden die Sicherheit in Heilbronn als "sehr schlecht", die meisten jedoch als "schlecht" oder sie wurde mit "teils/teils" bewertet. Je besser das Sicherheitsempfinden von den Befragten bewertet wurde, desto höher war auch deren Wohlfühlfaktor.
     
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    Benachteiligungen aufgrund der Herkunft

     
     
    Aus jeder Altersgruppe haben die Befragten bereits Erfahrungen mit Benachteiligungen machen müssen. Was man als Benachteiligung empfindet, ist natürlich sehr subjektiv, hiervon hat jeder eine andere Vorstellung. Doch die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer denken, dass sie aufgrund ihrer Herkunft noch keine Benachteiligungen erlebt haben. Doch je älter die Befragten waren, desto wahrscheinlicher war es, dass sie betroffen waren.
     
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    Eindrücke der Befragten:
     
    • "Es sind keine "direkten" Benachteiligungen, sondern eher ein Gefühl, dass man vermittelt bekommt, auf eine sehr subtile Art teilweise. Fremdenfeindlichkeit oder Vorurteile sind keine Seltenheit, man wird schnell in eine Schublade gesteckt, wenn man von der eignen Herkunft spricht." (w/31-45 Jahre)

    • "Ich selbst gehöre zu der Gruppe Russlanddeutscher und bin schon mehr als 40 Jahre in Deutschland. Immer wieder kommt es vor, dass unsere ganze Gruppe als Russen bezeichnet wird und sogar unsere Kinder spüren das, obwohl sie schon hier geboren sind und nichts anders kennen." (m/über 60 Jahre)

    • Oftmals wird auch die folgende Frage als eine Art von Benachteiligung empfunden: "Wieso haben Sie einen deutschen Nachnamen?" (w/46-60 Jahre)
     
     
     

    Bekannte Beteiligungsmöglichkeiten

     
     
    Die gängigsten Beteiligungsmöglichkeiten sind bereits bekannt, neue Online-Konzepte weniger. Auffallend ist jedoch, dass die Bereitschaft an Beteiligungsprozessen teilzunehmen höher ist, je älter die Befragten waren.
     
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    Ankunft in Deutschland und Heilbronn

     
     
    Der Großteil der Befragten kam zwischen Ende der 1980er- und Anfang der 2000er-Jahre nach Deutschland und auch nach Heilbronn. Im Laufe der 2000er-Jahren gingen diese Zahlen wieder zurück:
     
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    Freie Meinungen

     
     
    Neben den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten konnte jeder Befragte in freien Antwortfeldern auch weitere Anliegen loswerden. Hier ein Auszug:
    • "Beteiligungsmöglichkeiten deutlicher kommunizieren z. B. über digitale Bildschirme am Rathaus oder über digitale Infosäulen an Bürgerplätzen." (m/31-45 Jahre)

    • "Bei Gesprächen mit "Einheimischen" (wir fühlen uns eigentlich auch schon wie daheim) wird oft klar, dass die Bevölkerung sehr schlecht über uns, unsere Herkunft und unsere Geschichte informiert ist. Sorgen Sie dafür, dass sich das ändert. Es könnte viel Positives auf beide Seiten bewirken!" (w/31-45 Jahre)

    • "Ich würde sehr gerne meine Anregungen in einem persönlichen Gespräch teilen und bin sehr erfreut über die Gelegenheit, die Sie mir bieten. Ein Schreiben, so wie dieses, ist ein hervorragender Schritt zu beweisen, dass Interesse daran besteht aus Exklusion und Inklusion, Integration zu schaffen!" (m/18-30 Jahre)

    • "Die Verbesserung der Verkehrssituation, z. B. durch den Ausbau des ÖPNV. Die Busverbindung zwischen einzelnen Stadtteilen und der Innenstadt könnte in Bezug auf die Häufigkeit verbessert werden." (w/31-45 Jahre)
     
  • Das passiert als nächstes...

  • Weitere Schritte

    Weitere Gespräche

     
     
    Über die Befragung konnte nur ein Teil der Zielgruppe erreicht werden. Doch auch deren Meinungen und Ideen sind wichtig und für einen gelungenen Beteiligungsprozess bedeutend.
     
    Wenn Sie zu den Personen gehören, die nicht für die Zufallsbefragung ausgewählt wurden, können Sie sich mit der Stabsstelle Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn in Verbindung setzen. Bei einem gemeinsamen Termin können weitere Ziele und Aspekte besprochen werden. Melden Sie sich entweder telefonisch unter 07131 56-4480 oder per E-Mail.
     
     

    Sichtbarmachen der Geschichte

     
    Über verschiedene Veranstaltungen soll die Geschichte der Deutschen aus Russland, bzw. russischstämmigen Einwohnerinnen und Einwohnern erzählt und darüber aufgeklärt werden. Eine dieser Veranstaltungen war "Kultur teilen", eine Veranstaltungsreihe, die Heilbronns Vielfalt zeigt und Menschen ins Gespräch bringt. Auch eine Ausstellung konnte vom 11. bis 29. November 2019 in der vhs-Galerie besucht werden.
     
     

    Begegnungen schaffen

     
    Raum für Begegnungen bietet zum Beispiel die Städtepartnerschaft mit Noworossijsk, die seit 2019 besteht. Hierzu werden noch Gespräche mit der Bevölkerung stattfinden, um Ideen für Projekte und  Aktivitäten zu sammeln und gemeinsam Aktionen zu starten.